Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg e.V.  
     
   
 

Römer und Steinzeitgarten

Unser laufendes Projekt:
Das Anlegen eines Steinzeit- und eines Römergartens

Garten Bild vergrößern Garten Bild vergrößern

In der Erde graben bedeutet nicht nur, Relikte der Vergangenheit zu bergen. Die Mitglieder des Arbeitskreises möchten eine Brücke schlagen zwischen längst vergangenen Zeiten und dem modernen Heute. Dazu haben wir in den letzten Monaten viele Informationen und manch seltenes Saatgut zusammengetragen, um für uns und für jeden interessierten Besucher einen kleinen Einblick in die Pflanzenwelt der Steinzeit und der Römerzeit zu schaffen.

Garten Bild vergrößern

Welche Getreidesorten haben unsere Vorfahren in der Steinzeit eigentlich schon auf ihren Tellern gehabt? Mit welchen Pflanzen konnten sie ihre Kleidung bunt einfärben? Und welche Gemüse- und Kräuterpflanzen kannten bereits die Römer und sind bis heute auf unseren Tischen zu finden?

Jeder, der einen Garten hat, weiß, wie aufwändig und zeitintensiv das Anlegen, Aussäen und Pflegen von Beeten ist. Aber wenn die ersten Pflänzchen sprießen, hat sich alle Mühe gelohnt. Belohnt werden wir auch durch die Ansiedelung einiger selten gewordener Insekten, die wir Ihnen ebenfalls gerne vorstellen.

Auch bei diesem Projekt freuen wir uns über engagierte Mitmacher, die uns gerne mit Rat & Tat zur Seite stehen können!

Unsere Pflanzenauswahl

Garten Bild vergrößern

Getreidesorten

Gerste, Einkorn , Emmer, Dinkel, Kolbenhirse, Rispenhirse

Kräuter

Pfefferminze, Zitronenmelisse, Oregano, Weinraute, Thymian, Borretsch, Salbei, Dill, Lavendel, Rosmarin

Gemüsepflanzen

Lauch, Fenchel

Hülsenfrüchte (Leguminosen, Samengemüse)

Linse, Erbse, Ackerbohne

Weitere Nutz- und Heilpflanzen

Schafgarbe, Brennnessel, Färberwaid, Wein (weiß), Mohn (blau), Lein (Öllein, Faserlein), Mariendistel, Frauenmantel

Neuankömmlinge im Mühlengarten

Sumpfkreuzspinne

Sumpfkreuz- oder Erdbeerspinne Bild vergrößern

Araneus alsine lautet der wohlklingenden Name einer neu entdeckten Bewohnerin des Gartens bei der Kreppener Mühle. Es ist eine Sumpfkreuzspinne oder auch Erdbeerspinne, die sich deutlich von den normalen Kreuzspinnen durch ihre rotgefärbten Beinchen unterscheidet. Der kugelförmige Hinterkörper ist kräftig rot gefärbt und ist gesprenkelt mit zahlreichen gelblichweißen Pünktchen.

Christiane Chrobaczek leitet das Projekt "Archäologengarten" des Arbeitskreises. Sie hat die seltene Spinne entdeckt, die eine Webspinnenart aus der Gattung der Kreuzspinnen ist. Bundesweit ist die Erdbeerspinne Araneus alsine auf der Roten Liste in Stufe 3 „gefährdet“ aufgelistet.

Raupen des Schwalbenwanzes entdeckt

Der Steinzeit- und Römergarten entwickelt sich langsam zu einem Biotop für eine Vielzahl von Insekten. Auch gefährdete Arten finden dort wieder neuen Lebensraum.

So entdeckten Laura Sauer und Victor Chrobaczek, zwei junge Wissenschaftler von der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim, auf den Zweigen des Gewürzfenchels einige Raupen des mittlerweile auch in Bayern schon selten anzutreffenden Schwalbenschwanzes (Papilio machaon).

Der Wiener protestantische Pfarrer und Schriftsteller Gottlieb Tobias Wilhelm veröffentlichte ab 1792 die „Unterhaltungen aus der Naturgeschichte“: 25 Bücher mit 1469 Abbildungen und von Hand kolorierte Illustrationen namhafter Augsburger Kupferstecher.

Auch der Schwalbenschwanz durfte in seinen umfassenden Beschreibungen nicht fehlen.

Diese Schmetterlingsart zählt in anderen Bundesländern bereits zu den bedrohten Arten (LFU, 2017). Der Schwalbenschwanz, der sich hauptsächlich von Doldenblütlern, wie den Wildformen von Möhre, Pastinake und Fenchel ernährt, ist auf Ackerflächen kaum noch anzutreffen und findet seine Nahrung jetzt vorwiegend in Nutzgärten (BUND.de).

Die im Römergarten angepflanzten Nutzpflanzen und Kräuter, u. a. Möhre, Pastinake, Dill, Fenchel sowie die Weinraute, eine der beliebtesten Gewürzkräuter der Römer (Apicius, De re coquinaria), bieten somit auch den geeigneten Lebensraum für bedrohte Insektenarten.

Kräuter

Thymian: Mehr als nur ein Pizza-Gewürz!

Thymian Bild vergrößern

Wer kennt ihn nicht, den würzig duftenden Thymian, dessen getrocknete Blättchen wir so gerne an italienische Gerichte, Fisch- und Fleischspeisen geben? Der mehrjährige Thymianstrauch lässt sich so vielseitig wie kaum ein anderes Küchenkraut verwenden. Bis heute werden seine Blüten und Blätter in der Naturmedizin vor allem gegen Erkrankungen der Atemwege und bei Husten eingesetzt. Sein bodenbedeckender dichter Wuchs mit den attraktiven kleinen Blüten, die lila, rosa oder weiß sein können, macht den Thymian auch als Beeteinfassung, in einem Staudenbeet oder als Duftrasen beliebt.

Thymian wächst schon lange nicht mehr nur in den trockenen Macchiawiesen Südeuropas und prägt dort das Landschaftsbild, sondern er hat mit seinen über 200 Arten ganz Mitteleuropa erobert. In unseren gemäßigten Breiten hat vor allem der Echte Thymian (Thymus vulgaris oder Römischer Thymian) seine Heimat gefunden. Dazu gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Sorten in besonderen Wuchs-, Duft- und Geschmacksrichtungen wie z. B. den Zitronenthymian, den hängenden Kaskadenthymian oder den Sandthymian.

Thymian Bild vergrößern

Taxonomisch gehört der Thymian zur Familie der Lippenblütler und ist mit den bekannten Kräutern Salbei, Rosmarin und Lavendel eng verwandt. Der hohe Gehalt an ätherischen Ölen in den eingerollten kleinen Blättern regt die Verdauung an und macht mit Thymian zubereitete Gerichte leichter verdaulich.

Schon im Mittelalter wusste man von den vielen Vorzügen des Thymians; Das Würz- und Heilkraut wird seit dem 11. Jahrhundert auch im deutschsprachigen Raum angebaut. Man nimmt an, dass wandernde Mönche des Benediktinerordens den Thymian aus Italien mitbrachten. Die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen beschreibt im 12. Jahrhundert den Thymian in ihren Schriften als heilkräftiges Kraut – im Spätmittelalter schließlich war die Pflanze auch im deutschsprachigen Raum ein weit verbreitetes Heilmittel.

Bei den alten Ägyptern wurde die konservierende Wirkung des Thymians für die Vorbereitungen bei einer Mumifizierung genutzt. Im antiken Griechenland sowie im Römischen Reich wurde der Thymian als Heilkraut eingesetzt. Bekannte Autoren wie Plinius beschrieben die verschiedenen Nutzungs- und Zubereitungsarten. Römische Legionäre sollen Thymianbäder genommen haben, die ihnen Kraft und Stärke für die Schlacht verleihen sollten. Und nach dem Kampf kam die keimabtötende Wirkung des Thymians bei Verletzungen zum Einsatz.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
http://www.gartenjournal.net/thymian-steckbrief (Zugriff am 01.02.2016)
http://www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/Thymian.htm (Zugriff am 01.02.2016)

Die rauhe Schönheit aus dem Süden: der Borretsch

Borretsch Bild vergrößern

Borretsch ist ein Kraut mit einem besonderen Geschmack: Beim Verzehr der ungewöhnlich behaarten ovalen Blätter muss man sofort an frische grüne Gurken denken. Daher wird der Borretsch, lateinisch Borago officinalis, in unseren Breiten auch Gurkenkraut genannt und ziert viele Bauern- und Klostergärten. Als einziger weiterer Vertreter der Rauhblattgewächse ist in Gärtnerkreisen noch der Natternkopf bekannt.

Bereits im römischen Reich war der Borretsch als gemüseähnliches Kraut zu Fisch und Eiergerichten sehr geschätzt. Wahrscheinlich ist es von Arabien über Spanien aus dem Mittelmeerraum bis zu uns gelangt. Vielleicht ist es aber auch mit den römischen Eroberungszügen über die Alpen nach Mitteleuropa gelangt. Heute wird Borretsch in Nordamerika und fast ganz Europa kultiviert.

Borretsch Bild vergrößern

Die Borretschpflanzen lieben sonnige und nährstoffreiche Standorte und können hier eine Wuchshöhe von knapp einem Meter erreichen. Die hohlen Stengel sind stark verzweigt und tragen wechselseitig die zuerst samtigen und später stachelig-behaarten Blätter.

Auffällig sind vor allem die wunderschön leuchtendblauen Kronblätter, die man in den Monaten Mai bis September bewundern kann. Die jungen, noch geschlossenen Blüten sind dagegen rosafarben. Den Grund für den Farbwechsel vermutet man in einer Veränderung der sauren und basischen Inhaltsstoffe der Borretschpflanzen.

Die Bedeutung des Borretschs liegt weit mehr in der Verwendung als Küchenkraut denn als Heilmittel. Aufgrund verschiedener leberschädigender Alkaloide wird Borretsch in der westlichen Schulmedizin nicht eingesetzt und ist bei Kindern oder Schwangeren sogar schädlich. Auch die Volksmedizin empfiehlt die Zubereitung in getrockneter Form als Tee zeitlich nur sehr eng begrenzt.

In der Küche wird das Gurkenkraut gern in Füllungen und Saucen eingesetzt, da es einen frischen Geschmack in Mayonnaisen, Käse- und Eierspeisen bringt. Seine blauen Blüten bereichern jeden Salat und sind allein schon Medizin fürs Auge.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
http://www.kraeuter-buch.de/kraeuter (Zugriff am 08.12.2015)
http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de (Zugriff am 08.12.2015)

Gemüsepflanzen

Lauch

Blühender Lauch Blühender Lauch (Foto: Gisela Mahnkopf)

Unser heutiger Lauch, der zu den Amaryllisgewächsen gehört, ist eine Kulturform der Ackerlauchs, der bereits in der Antike im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und geschätzt wurde.

Wilder Lauch wurde bereits um 7.000 v. Chr. in den Ruinen von Jericho gefunden. Der Anbau in Mesopotamien um ca. 2.100 v. Chr. in den Gärten der Stadt Ur ist ebenfalls nachgewiesen. Im alten Ägypten soll er den Arbeitern, die die Pyramiden erbauten, als Nahrung gedient haben (nach Herodot).

Kaiser Nero wird nachgesagt, dass er täglich Lauch zur Pflege seiner Stimme verzehrte, was ihm den Spitznamen „Porrophagus“ (Lauchfresser) einbrachte.

Auf den britischen Inseln ist der Lauch als eines der Nationalsymbole im Wappen von Wales verewigt und wird auch heute noch am 1. März, dem Nationalfeiertag und Sankt-Davids-Tag, mitgeführt. Diese Sitte führt auf eine Schlacht um 640 n. Chr. zurück, in der der Lauch vom Britenkönig Cadwallader als Erkennungszeichen für seine Truppen verwendet worden sein soll.

Doch die große Beliebtheit des Lauches brach im Mittelalter ein. Der spätmittelalterliche bayrische Arzt Johannes Hartlieb (ca. 1410 – 1468) glaubte sogar, dass Lauch Cholera auslöst und dessen Samen von Hexen und Zauberern in der Hexenküche eingesetzt wird.

So verschwand der Lauch im 16. Jh. weitgehend von den Speisezetteln und hat bis heute seine alte Bedeutung nicht wiedererlangt. Lange wurde er nur als Suppengemüse verwendet und galt bis vor 50 Jahren noch als reines Arme-Leute-Essen.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
https://de.wikipedia.org/wiki/Lauch (Zugriff: August 2020)
http://www.stilecht-kochen.de/gemuese-porree.html (Zugriff: August 2020)
https://www.biologie-seite.de/Biologie/Lauch_(Gattung) (Zugriff: August 2020)

Hülsenfrüchte (Samengemüse, Leguminosen)

Linse, Erbse, Ackerbohne

Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Ackerbohnen zählen zu den ältesten Kulturpflanzen und sind seit der Antike wichtiger Bestandteil der Ernährung. Bei Griechen und Römern galten Sie neben Getreide zu den bedeutendsten Hülsenfrüchten und haben im Mittelmeerraum eine lange Ackerbautrautradition, die weit in die Vorgeschichte reicht.

Archäologisch belegt ist die Verwendung von Erbsen seit etwa 8.000 v. Ch. (Syrien), wobei die Unterscheidung zwischen gesammelten Wildformen und angebauten Sorten kaum mehr möglich ist.

Erbsen Erbse (Foto: Andi Scharnagl) Erbsen Erbse (Foto: Andi Scharnagl) Erbsen Erbse (Foto: Gisela Mahnkopf)

In der Antike waren jedoch nur die getrockneten Früchte bekannt, die jungen, grünen Schoten wurden als Pferdefutter verwendet. In Deutschland zählten Erbsen und Linsen bereits bei den Bandkeramikern zu den Grundnahrungsmitteln.

Im Mittelalter sind Hülsenfrüchte (insbesondere Erbsen und Bohnen) vor allem als Pferdefutter dokumentiert, während sie später als wichtige Nahrungsquelle bei langen Seefahrten galten.

Linsen Linse (Foto: Andi Scharnagl) Linsen Linse (Foto: Andi Scharnagl) Linsen Linse (Foto: Gisela Mahnkopf)

Die Ackerbohne wird auch Feldbohne, Saubohne, Säubohne, Schweinsbohne, Favabohne, Dicke Bohne, Große Bohne, Pferdebohne, Viehbohne, Faberbohne oder Puffbohne genannt. Eine frühe Form, die deutlich dünner war, datiert auf ca. 6.000 v. Ch. und ist bereits seit dem 3. Jt. v. Ch. Im Mittelmeerraum weit verbreitet.

Ackerbohne Ackerbohne (Foto: Gisela Mahnkopf)

In Kultur und Brauchtum gilt die Erbse in Mitteleuropa als Totenspeise und als Fruchtbarkeitsbringer, die Linsen sorgen – reichlich an Neujahr verzehrt – dafür, dass das Geld im neuen Jahr nicht ausgeht. Dass Hülsenfrüchte seit langem Bestandteil unserer Kultur sind, belegt auch ihre Rolle in zahlreichen Märchen und Sagen.

Der besondere Wert dieser sog. Leguminosen liegt in deren Symbiose mit den Knöllchenbakterien (stickstoffbindende Bakterien) an ihren Wurzeln. Dies ermöglicht den Pflanzen, Stickstoff optimal aus der Luft aufnehmen zu können.

Dieser Stickstoff wird zur Eiweißbildung verwendet, so daß im Vergleich der Eiweißgehalt der Samen überdurchschnittlich hoch ist (ca. ¼ des Gewichtes der Trockenmasse). Besonders bei fleischarmer oder vegetarischer Ernährung sind sie - damals wie heute - ein unverzichtbares Nahrungsmittel.

Dank dieser Fähigkeit, große Mengen Stickstoff aus der Luft binden zu können, werden Leguminosen als "Gründüngungspflanze" verwendet. Nach der Ernte werden sie ausgesät und machen so eine künstliche Stickstoffdüngung überflüssig, schützen die Böden vor Erosion und tragen zur Humusbildung bei. Sie werden nicht geerntet, sondern untergepflügt und sind für einen nachhaltigen Anbau in der Fruchtfolge unerlässlich.

Durch die Zunahme der vegetarischen und veganen Ernährung und das wachsende Interesse an nachhaltig produzierten Lebensmitteln gewinnen die Hülsenfrüchte heute wieder an Bedeutung, auch wenn noch ein großer Teil unserer heimisch angebauten Erbsen und Ackerbohnen als Tierfutter Verwendung findet.

Immerhin wurde das Jahr 2016 von der UN zum „Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte“ ausgerufen.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
http://bibd.uni-giessen.de/gdoc/2000/uni/p000003/nutritiv.htm (Zugriff: Juli 2020)
https://www.garten-treffpunkt.de/lexikon/huelsenfruechte.aspx(Zugriff: Juli 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hülsenfrucht(Zugriff: Juli 2020)
https://www.kern.bayern.de/mam/cms03/shop/kompendien/dateien/kompendium_huelsenfruechte_r.pdf(Zugriff: Juli 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Erbse(Zugriff: Juli 2020)
http://www.brauchtumsseiten.de/a-z/e/erbse/home.html(Zugriff: Juli 2020)
http://www.brauchtumsseiten.de/a-z/l/linsen/home.html(Zugriff: Juli 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Ackerbohne(Zugriff: Juli 2020)

Weitere Nutz- und Heilpflanzen

Lein

Flachsblüten Bild vergrößern Flachskapseln Bild vergrößern

Lein, auch Saat-Lein oder Flachs genannt, lat. "linum", ist eine 60 - 90 cm hohe, einjährige Pflanze, die zu den vielseitigsten Kulturpflanzen gehört.

Die Blüten sind leuchtend blau und bilden bis zur Ernte im Spätsommer/Herbst runde Kapseln aus, in denen je 8 bis 10 Samen sitzen. Diese Samen sind stark ölhaltig (bis zu 45%). Die Samen selbst werden als "Leinsamen" in der Heilkunde verwendet und sind als wahre "Nährstoffbomben" bekannt.

Das aus den Samen gewonnene Öl findet u.a. Verwendung als Speiseöl, Lampenöl, als Bindemittel von Farbpigmenten (Ölfarben) oder dient der ungiftigen Veredelung von Holzoberflächen.

Aus den Stängeln können Fasern herausgelöst werden, die verarbeitet, zu feinen Garnen versponnen und zu Stoffen verwebt werden (Leintuch, Leinwand, "Linnen"). Leinen gehörte zu den edlen Stoffen früherer Zeit, wirkt kühlend und wurde erst im Laufe des 19. Jh. durch Baumwolle verdrängt.

Verarbeitungsstufen Bild vergrößern

Lein ist eine der ältesten Kulturpflanzen und begleitet den Menschen seit der Steinzeit. Ein Flachsanbau in Ägypten ist bereits vor mehr als 6.000 Jahren nachweisbar. In Ägypten galt das weiße Leinen als Symbol für Licht und göttliche Reinheit. Bei der Mumifizierung beispielsweise wurde der Leichnam in Leinenbinden gewickelt.

Gerätschaften Bild vergrößern

Die Pflanze wurde bereits in der Jungsteinzeit über das Mittelmeergebiet in die Region nördlich der Alpen eingeführt. Der eigentliche Ursprung ist nicht gesichert, wird aber im Orient vermutet. Neueste Forschungen deuten darauf hin, dass Flachsfasern in der Jungsteinzeit bereits verwebt wurden.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/02996.html (abgerufen August 2020)

Frauendistel, Christi Krone oder Stechkraut – viele Namen für ein Heilkraut: die Mariendistel

Mariendistel Bild vergrößern

Zusammen mit Artischocke, Ringelblume und Kamille wird die Mariendistel botanisch in die Familie der Korbblütler eingeordnet. Besonders, wenn im Sommer die leuchtend-lilafarbenen Blüten zu sehen sind, ist die Verwandtschaft mit den Artischockengewächsen unverkennbar. Die ein- oder zweijährige Pflanze wird bis zu 150 Zentimeter hoch. Die Blätter der Mariendistel sind stachelig und in den Blattadern weiß marmoriert. Diese Marmorierung ist das typische Kennzeichen für die Mariendistel.

Mariendistel Bild vergrößern

Die ursprüngliche Heimat der Mariendistel ist ganz Südeuropa mit Nordafrika, Kleinasien und sogar der Süden Russlands. Am liebsten wächst sie an sonnenbeschienenen Äckern und Wegrändern. In Deutschland und Österreich wird die Mariendistel als Heilpflanze kultiviert. Gesammelt werden Früchte und Kraut der alten Heilpflanze.

Bereits im Mittelalter wurde die Mariendistel in Klostergärten angebaut. Ihren Namen verdankt sie der folgenden biblischen Legende: Auf der Flucht nach Ägypten wollte Maria ihr Kind stillen. Sie suchte Schutz unter dem Blätterdach der Mariendistel. Da beim Stillen einige Tropfen Milch auf die Blätter fielen wurde das Kraut gefleckt und gestreift.

Der griechische Arzt Dioskurides (gelebt 40 bis 90 nach Christus) erwähnte schon die Mariendistel als Heilpflanze. Paracelsus empfahl die Mariendistel schon gegen "Inneres stechen". Hildegard von Bingen empfiehlt die Mariendistel damals schon gegen Vergiftungen und Gelbsucht. Und der Arzt Johann Gottfried Rademacher (1772 bis 1850) entdeckte die Mariendistel als Heilpflanze zur Therapie von Lebererkrankungen. Sie wird heute noch als Schutzmittel für die Leber empfohlen, dies belegen auch wissenschaftliche Studien.

Der Hauptwirkstoff der Mariendistel-Früchte ist das Silymarin, das besonders konzentriert in der Fruchtschale enthalten ist. Da der Wirkstoff Silymarin nicht wasserlöslich ist, ist ein Tee bei Lebererkrankungen unwirksam. Die Mariendistel hat die Fähigkeit die Leber zu stärken, zu schützen und sogar zu entgiften.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
http://www.heilkraeuter.de/ (Zugriff am 23.08.2016)
https://www.dr-gumpert.de/ (Zugriff am 23.08.2016)

Färberwaid

Der Waid ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse. Er erreicht in der Regel eine Größe von 30 bis 150 Zentimetern und paßt sich auch dank des Wachsüberzuges der Blätter sehr gut an trockene Standorte an. Heute wächst er in Europa hauptsächlich verwildert an trockenen Hängen und Felsen.

Seit mindestens zwei Jahrtausenden wird der Waid als Rohstoff für Indigoblau angebaut. Ursprünglich aus Westasien stammend, verbreitete er sich in ganz Europa vor allem in West- und Südeuropa. Aus Cäsars „De bello Gallico“ ist bekannt, dass sich Kelten und Briten vor kriegerischen Auseinandersetzungen mit Färberwaid das Gesicht anmalten, um einen möglichst furchterregenden Eindruck zu erwecken.

In den "Unterhaltungen aus der Naturgeschichte" von Gottlieb Tobias Wilhelm erhielt auch der Färberwaid seinen angemessenen Platz.

Zur Farbstoffgewinnung wurden die Blattrosetten im ersten Standjahr geerntet und in einem mehrstufigen, aufwändigen Prozess weiterverarbeitet. Gefürchtet war der Gestank, der durch die Vergärung entstand, die nötig war, um den Farbstoff Indigo zu gewinnen.

In Deutschland wurde der Färberwaid seit dem 9. Jh. hauptsächlich in Thüringen kommerziell angebaut. In der Hauptsache hatten fünf Städte im Thüringer Becken – dem Hauptanbaugebiet – das Recht, den lukrativen Handel mit Färberwaid zu betreiben und gelangten so zu Wohlstand und Reichtum (Erfurt als Handelszentrum, Arnstadt, Gotha, Langensalza und Tennstedt).

Erst ab dem 16/17. Jahrhundert wurde der Färberwaid durch den indischen Indigo verdrängt, der aus der tropischen Indigopflanze Indigofera tinctoria gewonnen wurde und etwa 30 mal soviel Farbstoff wie der Färberwaid lieferte. Mit der kommerziellen Herstellung des synthetischen Indigos seit 1897 verschwand auch dieser natürliche Indigo.

Färberwaid Färberwaid, Foto: G. Mahnkopf Färberwaid Färberwaid, Foto: A. Scharnagl Färberwaid Färberwaid, Foto: A. Scharnagl Färberwaid Färberwaid, Foto: A. Scharnagl

Doch auch als Heilpflanze hat der Waid in Europa und Asien eine lange Tradition. Bereits Hildegard von Bingen mischte eine Salbe gegen Lähmungen. In China ist die Wurzel ein traditionelles chinesisches Heilmittel gegen Grippe, Mumps und Masern.

Seine Eigenschaften werden heute zunehmend neu entdeckt und erforscht: Aus den Wurzeln der Färberwaidpflanze wird der Waidbitterlikör gegen Erkältungskrankheiten hergestellt. Mit Tinkturen aus getrockneten Blättern wird Schuppenflechte mit beachtlichen Erfolgen behandelt, Flechten und Ekzeme sprechen ebenfalls sehr gut auf den Färberwaid an. Die fungizide und insektizide Wirkung findet in biologischen Holzschutzmitteln Anwendung. Sein Einfluß auf Viren und Tumore ist Gegenstand der Forschung.

Quellen:zurück zur Pflanzenauswahl
https://heilkraeuter.de/lexikon/faerberwaid.htm (Zugriff: Juni 2020)
https://medlexi.de/Färberwaid (Zugriff: Juni 2020) https://de.wikipedia.org/wiki/Färberwaid (Zugriff: Juni 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Indigopflanze (Zugriff: Juni 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Waidstädte (Zugriff: Juni 2020)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlieb_Tobias_Wilhelm (Zugriff: Juli 2020)

 
Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte
im Heimatverein für den Landkreis Augsburg e.V.
Augsburger Straße 24
Umweltzentrum
86420 Diedorf - Kreppen